Von Amsterdam nach Hoorn

von Max / am 07.06.2018 / in Allgemein

Am Freitag(1.6.) Vormittag, nicht zu früh, bis Hoorn sind es ja nur ca 30NM oder weniger, sollte es losgehen nach Hoorn. Gegen 11:30 waren wir dann soweit, aber erstmal ausparken ohne unser etwas teureres Gegenüber (SY Cyclos, 43m lang, pro Meter ca 1000000€ wert)

Cyclos

SY Cyclos, 43m lang

zu touchieren. Platz war eigentlich genug, ca 15m, aber bisschen nervös ist man da trotzdem. Wir haben da ziemlich sauber ausgeparkt aber einen Festmacher hatten wir nicht auf Slip gelegt, also hing der noch am Steg. Also zurück und noch mal provisorisch angelegt
Festmacher eingesackt und weg. Nun hieß es sich erstmal durch den dichten Amsterdamer Schiffsverkehr durchschlagen und die nächste Tankstelle finden. Unser Diesel war nämlich durch die 100% Maschinenfahrt Lelystad – Amsterdam etwas geschrumpft. Heute war ja auch wieder kein Wind angesagt und um unter Maschine bis Hoorn zu fahren war das zu wenig Sprit. Laut Aussage Hafenmeister in der Marina gab es eine Tankstelle Richtung Westen, da wollen wir aber nicht hin weil wir nach Osten müssen. Kurz vor der Oranje Schleuse soll es noch eine Tanke geben, also dahin. Das mit dem Verkehr relativierte sich, wir kamen da ganz gut durch. Nur bei den Ij Fähren muss man schön aufpassen, die sind verdammt schnell.
Die Tanke war natürlich auf der falschen Seite, also müssen wir das Fahrwasser noch mal queren. Rangefahren und erstmal gestutzt: Wie soll ich den hier anlegen? Riesige Balken und Poller?
Irgendwie haben wir es dann doch geschafft, waren fast fest, da kam der Tankwart und meinte, wir müssten da ums Eck fahren, da wäre die Tanksäule für die Sportschifffahrt. Na super, Also rum fahren, sozusagen auf den Hinterhof und erstmal einen Schreck gekriegt, das Echolot zeigte noch 60cm unter Kiel, irgendwie haben wir dann doch noch an den wirklich bescheidenen Anleger angelegt, ich hab mich nicht getraut da eine Bogen zu fahren und rückwärts anzulegen, wegen der Tiefe, also seitwärts. Getankt, das raus fahren ging dann auch nicht so gut. Zu der Tankstelle gehe ich jedenfalls nicht mehr.
Wir sind problemlos durch Schleuse und Brücke gekommen,

Brücke/Schleusse vor Amsterdam

Auf dem Hinweg hatte die Brücke ja plötzlich außerplanmässig für über zwei Stunden zugemacht. Das war nicht so toll.
Wir sind dann noch ein wenig unter Motor weiter rausgefahren bis der dickste Verkehr sich aufgelöst hatte. Mittlerweile frischte auch entgegen den Ansagen der Wind auf. Also Segel raus und los.
Und das ging endlich mal super, Halbwind, 10, 12kn, supi, Das Schiff läuft so 6kn. Herrlich. Wir können auf einem Bug bis an Marken vorbei,

Leuchtturm Marken

drehen dann etwas nach Norden um am Wind weiter gen Hoorn zu segeln.

Segeln

Flach ist das da, teilweise hatten wir nur noch 60cm unter Kiel, da wird es einem schon bisschen mulmig. Immer noch auf dem selben Bug. Der Wind frischt weiter auf, wir bekommen so 15-17kn, in Boen auch mal mehr. Ich schaue dann mal unten rein in die Kabine und ach du Scheisse, da steht ja Wasser! Ich runter, hmm, da schwappt Wasser auf dem Fussboden rum, Bodenbrett über der Bilge hoch, Oh die ist komplett voll. Anscheinend nehmen wir bei Lage nach Steuerbord irgendwie Wasser, ca 50l in 3 Stunden. Ich Dummi hatte, warum auch immer die automatische Pumpe abgeschaltet, ansonsten hätte ich das wohl garnicht so bemerkt. Nunja, Bilgepumpe ein und erst mal saugen lassen. Da hab ich wohl noch ne Baustelle. Momentan habe ich aber noch keine Idee wo das Wasser herkommt, bzw. wie es hereinkommt. Nach 15min war alles wieder drausen.
Damit der Spass aber nicht aufhört, sah ich dann auch noch das wir einen ca 30cm langen Riss im Hauptsegel haben. Prima.
Da beschlossen wir dann Hoorn zu verwerfen und doch Richtung Lelystad zu segeln. Dort haben wir eine Segelmacherei, die uns sicher das Segel reparieren kann.

Leider waren wir schon recht nah an Hoorn dran, so das es bis Lely noch ganz schön weit war. Jetzt hieß es bei recht viel Welle vor dem Wind bzw Raumschots zu segeln. Das gestaltete sich dann eher unangenehm,
die Wellen liefen unter uns durch und schoben uns permanent hin und her, das machte das Steuern etwas tricky. Es zog sich und zog sich. Mittlerweile war es halb neun und wir hatten noch ne gute Stunde bis zur Schleusse. Da begann ich die Entscheidung für Lelystad schon zu bereuen. Es hatte auch kräftig zu regnen angefangen so das wir uns schon in die komplette Montur geschmissen hatten.
Dei Schleussenpassage war auch großer Mist, die gute windwärtige Seite war komplett mit Dickschiffen belegt, so das ich auf de Leeseite anlegen musste. Bei 15-20kn genau von der Seite. Da kam ich dann
beim Losfahren so schlecht weg, das ich mir einen dicken Kratzer reingefahren habe weil es die Fender hoch gerollt hat. Naja, noch ne Baustelle.
Raus aus der Schleusse, aufs Ijsselmeer. Wind ging sofort auf über 20kn hoch, das verhieß ja Spaß beim Anlegen. Den gab es dann auch, waren beide eh schon ziemlich fertig nach über 10 Stunden, ich hab mich versteuert beim Anlaufen der Box bzw. den Wind nicht richtig einkalkuliert, dann ein Kommunikationsproblem mit Anett, Luvpfahl verpasst, Supergau. Mit Hilfe von 4 freundlichen holländischen Seglerinnen lagen wir ca 23:00 quer über drei Boxen sicher vertäut. Noch mal danke von hier aus an die Vier, ohne euch hätten wir alt aus gesehen….

Das waren am Ende 55NM in ca. 10 Stunden, davon ca 40NM gesegelt. Wenn die diversen Malheure nicht gewesen wären, ein Super Segeltag. Zur Krönung gab es in der Dusche dann nur kaltes Wasser, aber das war dann auch schon egal.

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Max

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