Wir sind unterwegs

von Max / am 11.06.2019 / in Törn2019

Nu isses losgegangen. Also unser Sommertörn. Wobei Sommer die falsche Bezeichnung ist. Sobald die Sonne weg ist, wird es ganz schön kalt.

Aber nun mal der Reihe nach. Starten wollten wir eigentlich am Samstag, den  8.6. Da gab es leider ein wenig zu viel Wind, Unser Stegnachbar hatte 60 kn auf der Uhr, so hat es sich auch angefühlt. Also blieben wir am Sonnabend noch in Lelystad, es gab ja noch dieses und jenes zu basteln, abends in die Sauna, prima.

Leider hat uns Whale ganz schön angeschixxxen, die gelieferten Adapter, bzw. der eine davon passte auch nicht, d.h. kein warmes, anders gesagt , gar kein Wasser im Bad.  Das ist nicht schön. Aber egal, das soll uns nicht abhalten.

Also sind wir am Sonntag morgen gegen 07:00 gestartet und haben uns Richtung Amsterdam auf den Weg gemacht. Wir waren uns noch nicht so ganz einig, ob wir auf die Stande Mastroute oder außen rum über die Nordsee gehen. Das wollten wir auf dem Weg nach Adam entscheiden.

Das erste Schleussenmanöver in der Houtrib Schleuse verlief suboptimal, wir waren noch nicht so ganz eingespielt. Ich stoppte zu zeitig auf, so das Anett den Poller nicht erreichte. Mit einer kleinen akrobatischen Einlage schaffte ich es aber noch das Boot vom querschlagen abzuhalten und alles war gut.

Auf dem Markermeer setzten wir die Segel, leider kam der Wind genau aus Richtung Amsterdam, so das wir aufkreuzen mussten.

Wo ist der verdammte Wind?

Aber es war gut segelbarer Wind, das machte richtig Spaß.

 

Die Aufkreuzerei kann man gut auf dem Track sehen. In Amsterdam angekommen ging es erst mal durch die Brücke. Dabei hat der unhöfliche  Brückenwärter uns und einem anderen (deutschen) Segler die Brücke vor der Nase wieder zugemacht weil wir ihm wohl zu langsam waren, oder zu deutsch. Jedenfalls mussten wir die Anfahrt zur Brücke abbrechen, wenden und nochmal 20 Minuten warten. Blöder Sack!

In der anschließenden lief es schon mal besser, keine Stunts notwendig, aber Potential nach oben vorhanden. Dann kam die Durchfahrt durch Adam, immer interessant. Inzwischen hatten wir uns auch entschieden außen rum zu gehen. Wetter und viel wichtiger, Wind sah gut aus. Also wollten wir es wagen, das erste mal mit unserem Boot alleine aufs offene Meer. Bisschen unwohl war mir bei dem Gedanken schon.

Die Fahrt über den Nordseekanal nach Ijmuiden war recht langweilig, ereignislos und zog sich ewig hin.Nach einer Top Schleusung, wir werden echt besser, führen wir in die Marina Ijmuiden und legten der Einfachheit halber am Längssteg am Anfang der Marina an. Wir hatten keine Lust mehr, in die Box zu fahren. Nette Nachbarsegler, die gerade aus der Karibik eingetroffen waren, halfen uns beim Anlegen, so das wir fix fest lagen. Leider hatte der bequeme Steg seinen Nachteil, es war ewig (bestimmt 800m) weit zum Hafengebäude mit den Facilities.

Hochsicherheitstrakt Ijmuiden Marina

 

Die Kneipe zur Marina war eine völlige Pleite, es hat ewig gedauert, Anett hat das falsche Essen bekommen und teuer war es auch noch. Sonderlich gut war es auch nicht. Muss nicht noch mal sein.

Am nächsten Morgen ging es wieder 07:00 Uhr los. Wir hatten ja 55 Meilen Unbekanntes vor uns. Wobei es immer noch die Option gab nach 25M nach Scheveningen abzubiegen und dann am nächsten Tag weiter zu fahren. Raus auf die See, erst mal bisschen Abstand zum Ufer und dann Kurs Süd- Süd West. So war der Plan. Das hat auch soweit geklappt, nur das der Wind so schlecht von N – NO kam das unser Kurs nicht machbar war. Also kreuzen vor dem Wind. Das ist mit unserem Boot leider ziemlich nervig, das will am Wind gefahren werden, vorm Wind wird es bockig. Da wir das Steuern echt zur Challenge. Aber Anett kann das richtig gut. Dank meiner Bullenstander Konstruktion konnten wir auch unbesorgt vor dem Wind, bzw. Raumschots fahren, der Baum war immer sicher.

Erstmal kamen wir ganz gut voran, zwar nicht direkt auf Zielkurs, aber zumindestens ungefähr in richtige Richtung. Leider konnten wir nicht zu einer ‚günstigen‘ Zeit losfahren, so das wir den Gezeitenstrom irgendwann gegen uns hatten. Und der Wind lies nach. Das ETA wurde immer später und später…. Irgendwann entschlossen wir uns, Motor an, Motorsegeln, um Strecke zu machen. An Scheveningen sind wir dann vorbei gefahren, wir ziehen das jetzt durch. Irgendwann wurde die Gegenströmung weniger, also Segel raus, Motor aus und weiter segeln.

 

Dann kam die große Prüfung, das Ding vor dem ich den größten Respekt hatte und um das ich mir viele Gedanken gemacht hatte, wie wir das meistern würden. Die Passage des Hoek von Holland, die Maasmündung und die Aus bzw. Einfahrt von Europas grössten Hafens: Rotterdam.

Zu erwarten waren Unmengen von riesigen sehr schnellen Schiffen zwischen denen wir eine passende Lücke finden müssen um das Fahrwasser zu queren. Wir sind ca 6kn schnell, die großen Pötte ohne weiteres 20kn, manche sogar schneller. Ein Alptraum.

Mann muss sich an einem bestimmten Punkt per Funk bei den ‚Fluglotsen‘ melden und sagen das man durch will. Das habe ich versucht und festgestellt das meine Funke beim Senden ausgeht, Unterspannung. Meine lieben Motorschrauber haben die Stromversorgung der Funke umgeklemmt beim Umbau anscheinend falsch. Es empfängt, aber beim Senden geht es aus. Jetzt war guter Rat teuer, umdrehen? oder Augen zu und durch?

Wir entschieden für letzteres, es war eh nicht viel Verkehr, also sind wir ohne Meldung da mit Vmax durch. Wir haben es geschafft, kein Anschiss per Funk, und keine Action mit irgendeinem Grossschiff. Pures Adrenalin.

Anschliessend gab es dann noch mal richtig Action, eine schwarze Wolkenfront direkt vor uns,ich dachte ans reffen, war aber zu faul. Dann kam der Wind und wir sind erstmal eine ungewollten Vollkreis gefahren, die Böe hat uns so runtergedrückt, es gab kein Halten mehr, bzw Anett konnte nicht mehr gegen Steuern. Nachdem wir uns wieder eingekriegt hatten ging es mit 8kn und mehr weiter. Soviel hatten wir noch nie auf dem Tacho. Nach kurzer Zeit schlief der Wind dann komplett ein, so das wir die Segel runter holten und per Maschine durchs Slijkgat Richtung Stellendam fuhren. Das war noch mal ne öde anderthalbe Stunde, enges Fahrwasser, man musste gut auf die Tonnen achten. An der Schleusse mussten wir dann nochmal ca. ne Stunde warten, durch, in die Marina und nach 13 Stunden, ca 65 Meilen Fahrt völlig platt unelegant an doofen kurzen Fingerstegen angelegt, Duschen, Kleinigkeit Essen, Rotwein, BETT.

Die lange Tour.

 

 

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Max

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